Schweizer Klub für Wissenschaftsjournalismus
Smörebröd, Smörebröd - Römpömpömpöm
Freitag, 26. März 2010 22:20
EUSJA Generalversammlung 2010
Die EUSJA schreitet etwas orientierungslos in die Zukunft. Zunehmend mutiert sie zu einem Sprachrohr des EU-Forschungsapparats. Dies entfachte an der Generalversammlung in Kopenhagen eine heftige Diskussion. Einigkeit gab es dabei keine: Denn schon bei der Frage, wo Wissenschaftsjournalismus aufhört und PR-getriebene Wissenschaftskommunikation anfängt, liegen die Standpunkte der europäischen Delegierten weit auseinander.
Von Christian Heuss, Kopenhagen
26 EUSJA Delegierte aus 19 Ländern von Moskau bis Madrid, von Paris bis Bukarest versammelten sich an der Generalversammlung am 20. März in Kopenhagen. Wer als EUSJA-Novize bei einem solch illustren internationalen Treffen eine strukturierte und ergebnisorientierte Versammlung erwartet hätte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Alleine über den Modus der Bestätigungswahl des Vorstands, berieten die Delegierten eine geschlagene halbe Stunde. Schliesslich einigte man sich auf ein Nominationskomitee unter der altehrwürdigen Paola de Paoli. Zu Nominieren gab es allerdings niemanden, denn Neukandidaturen lagen gar keine vor. Dennoch zog die italienische Ehrenpräsidentin ein mehrstufiges Wahlverfahren durch. Ähnliche Grotesken zierten den weiteren Verlauf dieser GV. Für gestandene EUSJA-Hasen kein Grund zur Aufregung: „Solche Tohuwabohus gehörten immer schon zur EUSJA,“ kommentierte EUSJA-Altpräsident Werner Hadorn mit einem Schulterzucken in der Kaffeepause.
Dennoch entwickelte sich an der GV 2010 echter Unmut zumindest unter einigen EUSJA-Delegierten. Denn eine greifbare Zukunftsvision unter dem Präsidium des deutschen Teli-Vertreters Hajo Neubert war nicht spürbar. „Wir müssen wichtiger Ansprechpartner innerhalb Europas bleiben,“ war Neuberts konkreteste Aussage. Als seine primäre Aufgabe sieht er offensichtlich die aktive Beteiligung der EUSJA an EU-Projekten im Bereich der Wissenschaftskommunikation.
Dazu gehört beispielsweise das Projekt PLACES des Europäischen Netzwerks von Wissenschaftszentren und Museen. Es fördert die öffentliche Wissenschaftskommunikation auf regionaler und kommunaler Ebene an solchen Institutionen. Dank der Beteiligung an solchen Projekten könne die EUSJA neue EU-Geldquellen anzapfen. Ohne viel Aufwand treibe das jährlich über 4000 Euro in die EUSJA Kassen. Solche Aussagen führten unter den Delegierten zu heftigem Kopfschütteln. „Es kann doch nicht sein, dass die EUSJA von der EU ohne Verpflichtungen Geld erhält,“ monierte etwa die Engländerin Barbara Drillsma notabene selber Vorstandsmitglied. Die Delegierten aus Österreich, Deutschland (Teli und WPK) und der Schweiz protestierten ihrerseits lautstark über eine Beteiligung an solchen EU-Kommunikationsprojekten. „Aktivitäten wie PLACES gehören nicht in den Aufgabenbereich einer Journalistenorganisation,“ sagte stellvertretend etwa der deutsche WPK-Vertreter Martin Schneider.
An Präsident Hajo Neuberts weisser Weste perlte solche Kritik allerdings ab. Die EUSJA Teilnahme an PLACES und anderen ähnlichen Projekten markiere Präsenz der EUSJA auf dem europäischen Parkett. Mitreden könne nur, wer sich an solchen Projekten aktiv beteilige. Auch wenn solche Aussagen die Kritiker wenig überzeugten, fanden sie Anklang bei den Delegierten in Süd- und Osteuropa. „Die EUSJA sei noch immer eine starke Marke. Und diese müsse man nutzen,“ meinte etwa der ungarische Vertreter und frühere EUSJA-Präsident Istvan Palugay. Immerhin versprach der über die heftige Diskussion sichtlich überraschte Hajo Neubert, den PLACES-Vertragsentwurf allen Delegierten auf schriftlichem Weg zur Genehmigung vorzulegen.
Zu den traditionell wichtigen Anliegen der EUSJA gehört die Organisation von Recherchereisen zu Forschungsinstitutionen in ganz Europa. EUSJA-Präsident Hajo Neubert rief die Delegierten an der GV denn auch in die Pflicht: „Mitgliedsverbände sind aufgerufen alle 5 bis 7 Jahren eine Reise zu organisieren.“ In den letzten Jahren ging die Anzahl der EUSJA Reisen zurück, und im Vorjahr fand noch genau eine EUSJA-Reise organisiert von einer Länderorganisation statt. Offensichtlich wird es immer schwieriger, Manpower und Sponsoren für solche Reisen zu mobilisieren. Und auch das Interesse von Seiten aktiver Journalisten an diesen Reisen hält sich offenbar in Grenzen.
Ausserhalb der Generalversammlung pflegten die Delegierten ihre teilweise langjährigen Freundschaften bei kulinarischen Spezialitäten aus der dänischen Küche. Bis lange in die Nacht hinein toasteten sie sich gute Wünsche zu und freuten sich bereits auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Statt ins Smörebrod zu beissen, gucken die Delegierten dann gemeinsam in den Gulaschtopf. Dank sei der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft 2011. Jó étvágyat.
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