Schweizer Klub für Wissenschaftsjournalismus
Der Alchemist - SKWJ GV 2010
Dienstag, 22. Juni 2010 14:55
SKWJ Generalversammlung 2010 am Pharmaziemuseum der Universität Basel
Wer profitierte im Basel des 16. Jahrhunderts von medizinischen Erkenntnissen und Arzneien? Welche Rolle spielte dabei die Erfindung des Buchdrucks? Wie sieht ein Alchemistenlabor aus? All dies und vieles mehr erfuhren die rund 30 SKWJ-Mitglieder, die sich am 11. Juni 2010 die Generalversammlung unseres Klubs im Pharmazie-historischen Museum, mitten in der Baseler Altstadt nicht entgehen liessen. Für den geschäftlichen Teil traf man sich im Hörsaal des altehrwürdigen Hauses «Zum Vorderen Sessel» (1316 erstmals urkundlich erwähnt), wo man unter unter der Leitung von Präsidentin Irène Dietschi die Traktanden speditiv über die Bühne brachte – so auch auch die Wahl des Themas für das diesjährige Gesundheitsseminar: Es heisst «Nachlese zur Schweingerippe» (Arbeitstitel).
Wirklich interessant wurde es nach dem Apéro, als unser Gastgeber Dr. Michael Kessler – ein waschechter «Basler» mit wunderbarem Basler-Dialekt – zur Führung durchs Museum lud. Der Kurator erwies sich dabei als begnadeter Geschichtenerzähler. Er liess uns eintauchen in das spätmittelalterliche Basel, als der berühmte Buchdrucker Johannes Frobenius oder der Gelehrte Ersasmus von Rotterdam in der Stadt wirkten. Michael Kessler erschloss uns auch viele der zahllosen Schätze hinter den Vitrinen. Warum vertrauten die Menschen im 16. Jahrhundert der Heilkraft von Skorpionen, Kröten und anderem Getier? Weil sie – ähnlich wie die Homöopathie noch heute – an das Ähnlichkeitsprinzip glaubten: Ein Skorpion sticht, also hilft sein Gift gegen Stichwunden; eine Kröte ist von Warzen übersät, also wird sie auch einen Menschen von Warzen befreien. «Signaturenlehre» nannte sich diese Art von Medizin.
1526 und 1527 wirkte hier auch Paracelsus. Wie er in Basel zu Ruhm kam und weshalb er die Stadt eher ruhmlos wieder verlassen musste, all dies erzählte Michael Kessler spannender als jeden Krimi. Wer’s verpasst hat: hingehen, es lohnt sich! http://pharmaziemuseum.unibas.ch
Irène Dietschi